Aktuelle Veranstaltung

image4 Jahrestagung 2016

Dokumentiertes Handwerk: Formen, Normen, Forschungsansätze

am Samstag, 8. Oktober 2016, im Freilichtmuseum Hessenpark

Die Erforschung und Darstellung von historischem wie zeitgenössischem Handwerk bildet in der Volkskunde/Kulturanthropologie/Europäischen Ethnologie seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts einen Schwerpunkt. Besondere Aufmerksamkeit gilt dabei den Erzeugnissen, sozialen Bedeutungen und – seit neuerem – der Hand-Arbeit als solcher. Dem breiten Erkenntnisspektrum entspricht der kaum überschaubare Quellenhorizont, der dafür erschlossen und interpretiert werden muss. Die drei Vorträge der Tagung sowie die weiteren Programmpunkte widmen sich aktuellen Fragestellungen und Herausforderungen im Themenfeld.

Programm:

10.00 Uhr

Eröffnung und Grußworte

10.15 Uhr

Melanie Burgemeister, M.A. (Regensburg): Zünftig arbeiten, ehrbar leben: Handwerksordnungen als Quellen der Alltagsforschung (16. bis 18. Jahrhundert)

Zünfte waren obrigkeitlich sanktionierte Handwerkerverbände, die in der ‚Gesellschaft der Korporationen‘ bis ins 19. Jahrhundert ganz selbstverständlich nicht nur auf den beruflichen, sondern auch den privaten Alltag in Stadt und Land Einfluss nahmen. Ein konstituierendes Merkmal von Zünften waren deren oft umfangreiche Satzungen, die ‚von der Wiege bis zur Bahre‘ gültigen Handwerksordnungen. In der Handwerksforschung kommt diesen als normative Quellen aufgefassten Dokumenten zentrale Bedeutung zu, weil sie einen Maßstab des individuellen Handelns darstellten.

11.00 Uhr

Dr. Lisa Maubach (Hagen): Wissen, was dahinter steckt – das Kompetenzzentrum für Handwerk und Technik im Freilichtmuseum Hagen

„Wissen entdecken und festhalten – mit Fotoapparat, Aufnahmegerät und Videokamera vor Ort das handwerkliche Erbe Westfalen-Lippes in Ton, Bild und Schrift zu dokumentieren, ist Teil der Forschungs-arbeit des Kompetenzzentrums Handwerk und Technik. Die überlieferten materiellen Quellen werden mit schriftlichen, mündlichen, bildlichen und filmischen Quellen kombiniert. So können die Geschichten hinter den Objekten sowie ihre Handhabung im Arbeitszusammenhang dokumentiert und bewahrt werden. Letzteres ist besonders für das Wissen um Handwerkstechniken wichtig. Mit direktem Bezug auf das Museum und gezielt im Hinblick auf Forschungslücken im Bereich Handwerk in Westfalen-Lippe erfolgt die Forschung im interdisziplinären Austausch mit wissenschaftlichen Institutionen, Berufsverbänden und Privatpersonen. Die Ergebnisse münden in Publikationen, Filmen und Ausstellungen und tragen damit zur Vermittlungsarbeit des Museums bei.“ (https:// www.lwl.org/LWL/Kultur/LWL-Freilichtmuseum_Hagen/museumsarbeit/kompetenzzentrum-fuer-handwerk-und-technik).

11.45-12.00 Uhr

Kaffeepause

12.00 Uhr

Dr. Axel Lindloff (Neu-Anspach): Handwerkswissen im Museum. Eine konstruktiv-kritische Spurensuche

Man hört oder liest häufig: „Dieses oder jenes alte Handwerk ist schon fast ausgestorben und bald nur noch im Museum zu sehen.“ Doch was passiert mit handwerklichem Wissen im Museum tatsächlich? Zunächst wird es (meistens durch Nicht-Handwerker) dokumentiert, damit aber auch intellektuell und didaktisch überformt, mithin seiner Basis beraubt. Axel Lindloffs These ist, dass Handwerkswissen im Museum – mit gewissen Abstrichen auch in Freilichtmuseen – verlorengeht, weil es seiner ganzheitlich-manuellen Basis beraubt wird und seiner ökonomischen allemal. Dafür entsteht im Museum eine neue Handwerksrealität, die durch publikumsgerechtes „Vorführhandwerk“ gekennzeichnet ist.

12.45 Uhr

Vorstellung des neuen Themenbandes Handwerk der Hessischen Blätter für Volks- und Kulturforschung (Bd. 51)

13.00-14.00 Uhr

Mittagspause (ein Imbiss wird im Tagungsbereich angeboten)

14.00 Uhr

Handwerken. Vom Wissen zum Werk. Führung von Conny Nora Zeitler durch die Ausstellung in der Stallscheune aus Asterode, Baugruppe Nordhessen

Die Hand ist unser wichtigstes „Werkzeug“, die uns zu einer Vielfalt an Fertigkeiten befähigt. Die Sonderausstellung „Handwerken. Vom Wissen zum Werk“ gibt Einblicke in die verschiedenen Bereiche von handwerklicher Tätigkeit und Werkzeuggebrauch und stellt spannende Fragen: Wie entsteht Handwerkswissen? Auf welchen Wegen wird es weitergegeben? Wie arbeiten Kopf und Hand zusammen? Und wie können wir traditionelles Können letztlich bewahren? Besucher_innen erfahren Wichtiges über die Anatomie und die vielfältigen Funktionen des „Wunderwerks Hand“ und können an interaktiven Stationen ihren Tastsinn und ihre eigene Fingerfertigkeit testen. Für Kinder gibt es eine kleine Werkstatt zum Hämmern und Schrauben. Auch beschäftigt sich die Ausstellung mit der Frage, was Menschen dazu motiviert, Dinge selbst herzustellen. Dabei werden aktuelle gesellschaftliche Trends wie Do-it-yourself, Upcycling und Repair-Cafés aufgegriffen.
Die Sonderausstellung wurde in Zusammenarbeit mit dem Ausstellungsverbund Arbeit und Leben erstellt und wird an vier weiteren Standorten in Deutschland zu sehen sein.

Im Anschluss an die Führung besteht Gelegenheit zum Besuch des Freilichtmuseums.

17.00 Uhr

Mitgliederversammlung der Hessischen Vereinigung für Volkskunde (die Tagesordnung wurde mit dem HVV-Brief August 2016 verschickt)

 

Tagungsort:

Freilichtmuseum Hessenpark, Laubweg 5, 61267 Neu-Anspach/Ts., Martinsklause Remsfeld

Anfahrt:

mit öffentlichen Verkehrsmitteln: mit der Taunusbahn R 15 fahren Sie (z. B. von Frankfurt/Main Hbf oder Bad Homburg Hbf) bis Wehrheim oder Neu-Anspach/Anspach Bahnhof. Von Wehrheim geht es weiter mit der Buslinie 64 Richtung Neu-Anspach/Anspach bzw. von Neu-Anspach/Anspach Bahnhof mit der Linie 63 Richtung Wehrheim bis zur Haltestelle Neu-Anspach/Anspach Hessenpark. An Wochenenden und Feiertagen haben Sie die Möglichkeit, mit dem Kulturbus (der Stadtbuslinie 5) von Bad Homburg/Gonzenheim oder Bad Homburg/Bahnhof über die Saalburg direkt bis ins Freilichtmuseum zu fahren. Der Bus fährt stündlich.